Fundament-Unterfangung der historischen Marienquelle

Fassade der historischen Marienquelle: verglaster Eingangsbereich hinter eckigen Säulen, darüber in goldenen Lettern MARIENQUELLE; auf dem gläsernen Turm eine goldene Marien-Figur

Die Sanie­rung der Mari­en­quel­le muss­te den Schutz des his­to­ri­schen Bau­werks mit den stren­gen Auf­la­gen der Heil­was­ser­schutz­zo­ne ver­ei­nen. Sicht­ba­re Set­zungs­ris­se beein­träch­tig­ten das Erschei­nungs­bild des denk­mal­ge­schütz­ten Gebäu­des. Eine zwei­jäh­ri­ge Unter­su­chung ergab Hand­lungs­be­darf, um eine nach­hal­ti­ge Sta­bi­li­sie­rung zu gewähr­leis­ten. Unser Archi­tek­tur­bü­ro ent­wi­ckel­te eine Fun­da­ment-Unter­fan­gung, um das Bau­werk lang­fris­tig zu sichern. In enger Abstim­mung mit Statiker:innen und Behör­den wur­de eine Lösung umge­setzt, die das Gebäu­de sta­bi­li­sier­te, ohne die emp­find­li­che Quell­struk­tur zu gefähr­den.


Rissbildung unter Beobachtung

Die Mari­en­quel­le zeig­te ins­be­son­de­re an den Über­gän­gen zu den bei­den seit­li­chen Flü­geln innen und aus­sen Ris­se. Unser Archi­tek­tur­bü­ro nahm die­se auf, sicher­te sie mit Plom­ben und beob­ach­te­te sie über einen Zeit­raum von zwei Jah­ren. Die Unter­su­chun­gen erga­ben eine fort­schrei­ten­de Boden­be­we­gung, die redu­ziert und kom­pen­siert wer­den muss­te.

Sensible Bauarbeiten im Schutzgebiet einer Heilwasserquelle

Nach der Sta­bi­li­sie­rung des Bau­werks erfolg­te die Restau­rie­rung der Schä­den in enger Abstim­mung mit der Denk­mal­pfle­ge. Die unmit­tel­ba­re Nähe der arte­si­schen Quel­len erschwer­te die Sanie­rungs­ar­bei­ten erheb­lich. Da sich das Gebäu­de inner­halb der streng geschütz­ten Heil­was­ser­schutz­zo­ne I befin­det, waren beson­de­re Anfor­de­run­gen an Mate­ria­li­en, Maschi­nen und Bau­ab­läu­fe not­wen­dig. Alle Maß­nah­men fan­den in Abstim­mung mit der hydro­geo­lo­gi­schen Fach­bau­lei­tung, dem Was­ser­wirt­schafts­amt und den Säch­si­schen Staats­bä­dern statt.

Dazu gehör­ten unter ande­rem:

  • Prü­fung und Frei­ga­be aller Mate­ria­li­en unter Berück­sich­ti­gung von Daten­blät­tern, Labor­wer­ten und Her­kunfts­nach­wei­sen
  • Ver­wen­dung von Maschi­nen mit Bio-Die­sel und Bio-Hydrau­lik­öl
  • Abstel­len der Maschi­nen außer­halb der Schutz­zo­ne auf ver­sie­gel­ten Flä­chen
  • Spül- und Beto­nier­ar­bei­ten nur in abge­schlos­se­nen Sys­te­men mit auf­ge­fan­ge­nem Spül­was­ser
  • Ver­bot von Beton­in­jek­tio­nen unter die Fun­da­men­te auf­grund der hohen Gefähr­dung der Quel­le

Vom Plan zur Lösung – Herausforderungen und Anpassungen bei der Fundament-Unterfangung

Geplante Maßnahmen zur Unterfangung

Um die Sta­bi­li­tät des Bau­werks lang­fris­tig zu gewähr­leis­ten, ent­schied sich unser Archi­tek­tur­bü­ro für eine Fun­da­ment-Unter­fan­gung, indem die seit­li­chen Gebäu­de­flü­gel durch neue Beton­fun­da­men­te unter­fan­gen und tie­fer gegrün­det wur­den. Dadurch erhielt das Gebäu­de eine sta­bi­le­re Basis, ohne die emp­find­li­che Quell­um­ge­bung zu gefähr­den.

Unerwartete Herausforderungen bei der Fundament-Unterfangung

Bei Unter­su­chun­gen stell­te sich her­aus, dass die seit­li­chen Fun­da­men­te aus geschich­te­ten Natur­stein­plat­ten (Schie­fer­fun­da­men­te) bestan­den. Die­se konn­ten nur sehr begrenzt unter­gra­ben wer­den. Zudem zeig­te das geo­lo­gi­sche Gefü­ge des Unter­grunds eine für Quell­be­rei­che typi­sche Per­fo­ra­ti­on, wodurch die ursprüng­lich geplan­ten Beton­in­jek­tio­nen aus­ge­schlos­sen wer­den muss­ten.

Entwickelte Alternativlösung

Gemein­sam mit dem Sta­ti­ker ent­wi­ckel­te unser Archi­tek­tur­bü­ro eine alter­na­ti­ve Lösung, um eine siche­re Fun­da­ment-Unter­fan­gung zu ermög­li­chen: Statt der Beton­in­jek­tio­nen setz­ten wir auf soge­nann­te Auf­la­ger­fin­ger und Mikro­ver­press­pfäh­le (Zug- und Druck­stä­be). Die­se Metho­de gewähr­leis­te­te eine dau­er­haf­te Sta­bi­li­sie­rung des Bau­werks, ohne die emp­find­li­che Quell­struk­tur zu gefähr­den.

Außenansicht der Vorderseite der Marienquelle

„Marienquelle wieder auf sicheren Füßen“

10. April 2024, Freie Pres­se

Fundament-Unterfangung erfolgreich abgeschlossen

Die Sanie­rung der Mari­en­quel­le zeig­te ein­drucks­voll, dass unser Archi­tek­tur­bü­ro B. Kie­ner Archi­tek­tur auch bei hoch­spe­zia­li­sier­ten Bau­auf­ga­ben indi­vi­du­el­le und inno­va­ti­ve Lösun­gen ent­wi­ckelt. Durch die enge Zusam­men­ar­beit mit Expert:innen und Behör­den gelang es, ein denk­mal­ge­schütz­tes Bau­werk nicht nur zu sichern, son­dern auch im Ein­klang mit den stren­gen was­ser­recht­li­chen Vor­ga­ben instand zu set­zen. Die Kom­bi­na­ti­on aus fach­li­cher Exper­ti­se, krea­ti­ver Pro­blem­lö­sung und prä­zi­ser Koor­di­na­ti­on führ­te zu einem erfolg­rei­chen Abschluss die­ses anspruchs­vol­len Pro­jekts.

Fassade der historischen Marienquelle: verglaster Eingangsbereich hinter eckigen Säulen, darüber in goldenen Lettern MARIENQUELLE; auf dem gläsernen Turm eine goldene Marien-Figur